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Urs Bieri__Co-Leiter gfs.bern

Gewohnheiten gibt man ungern auf

93% der Geschäftskunden sind mit der Funktionsweise des inländischen Zahlungsverkehrs sehr oder eher zufrieden. Auf so hohe Werte stossen wir bei unseren Umfragen selten. Die von uns befragen Unternehmen und Behörden finden den Zahlungsverkehr schnell, pünktlich, zuverlässig und sicher. Im Auslandzahlungsverkehr ortet man hingegen Potenzial für Verbesserungen. Das Zahlen von Auslandrechnungen könnte noch einfacher sein, nicht selten werden Beträge retourniert, was zu Nachforschungsaufträgen und Abklärungen führt.

Was bedeutet nun eine so hohe Zufriedenheit für ein Grossprojekt wie die Harmonisierung des Zahlungsverkehrs? In erster Linie darf die neue Lösung aus Anwendersicht nicht weniger überzeugend sein als die alte. Es ist wichtig, dass die Kunden einen konkreten Nutzen erkennen – das hilft, Barrieren abzubauen und unternehmensintern die Arbeiten anzustossen. In den kommenden Monaten muss das Bewusstsein für die Umstellung und deren Nutzen geschärft werden, die Wahrnehmung war zum Zeitpunkt der Messung im Sommer 2016 noch wenig ausgeprägt. Zu guter Letzt spielen wie bei allen Infrastrukturprojekten die Kosten eine Rolle, man will möglichst wenig Ressourcen einsetzen, um eine zufriedenstellende Lösung zu erneuern.

Unternehmen und Behörden, die intern bereits ein Projekt zur Umstellung gestartet haben, ist mehrheitlich bekannt, dass es um internationale Normen, die Ablösung der bestehenden Einzahlungsscheine durch einen QR-Code und den durchgehend automatisierten Datenaustausch zwischen Unternehmen und Banken geht. Die Harmonisierung des Zahlungsverkehrs erachten sie als positiv, klare Mehrheiten unter den Befragten sehen nur oder eher Vorteile für die Schweiz. Langfristig erwarten sie vor allem vereinfachte Zahlungsprozesse, einfachere Meldeverfahren, weniger Fehler und eine grössere Effizienz. Das sind gute Grundvoraussetzungen, um Neues anzugehen.

Auf der anderen Seite fehlt ein konkreter Problemdruck und es besteht bei verschiedenen Anwendergruppen der Eindruck, es handle sich um ein reines Bankenprojekt. In Anbetracht von anderen Herausforderungen im Kerngeschäft erstaunt es deshalb wenig, wenn das eine oder andere Unternehmen die Projektierung hinauszögert. Es wird in den nächsten Monaten darum gehen, eine gewisse Dringlichkeit zu verdeutlichen und aufzuzeigen, dass die Umstellung einen konkreten Nutzen bringt und somit die eigene Rechnung unter dem Strich aufgeht.

 

gfs.bern hat im Auftrag von PaymentStandards.CH im Sommer 2016 Umfragen bei verschiedenen Zielgruppen, unter anderem Anwender, durchgeführt. Unter Anwendern werden Personen verstanden, die in ihrer beruflichen Funktion Zahlungen veranlassen oder in deren Verantwortungsbereich der Zahlungsverkehr fällt. Berücksichtigt wurden öffentliche Verwaltungen, privatwirtschaftlich organisierte Unternehmen, Vereine, Stiftungen und NPOs aus der Deutschschweiz und Romandie. Die Umfragen wurden zwischen Juli und August 2016 durchgeführt.