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Patrick Beer__Finanzbuchhalter, Wander AG

Ob Ovomaltine oder Zahlungsverkehr – warum Standards wichtig sind

Stellen Sie sich vor, Sie haben gerade eine neue Dose Ovomaltine gekauft. Sie kennen das Produkt, wissen also, wie es aussieht und wie es schmeckt. Doch das gekaufte Produkt ist anders als gewohnt. Der unverkennbare Malzgeschmack ist nicht dominant. Vielmehr schmeckt die Ovomaltine nun nach Schokolade. Ebenso ist sie grobkörniger als sonst. Spontan geht Ihnen durch den Kopf, dass da etwas falsch gelaufen sein muss. Doch was heisst eigentlich, etwas sei «falsch gelaufen»?

Dieses Beispiel verdeutlicht die Erwartung, die ein Konsument an ein Produkt hat. Hierbei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Ovomaltine, ein Duschgel oder um eine Dienstleistung handelt. Doch wie kommt diese Erwartungshaltung zustande? Oder aus Sicht des Produzenten oder Dienstleistungserbringers betrachtet: Wie können wir die hohen Erwartungen erfüllen?

Ganz am Anfang steht immer das Endprodukt. Dieses muss mal mehr, mal weniger detailliert umrissen werden. Im Zentrum stehen Fragen wie: Was erwartet der Kunde von unserem Produkt? Welchen Nutzen muss unser Produkt erfüllen? Erwartet jeder Kunde dasselbe oder gehen die Erwartungen auseinander?

Wenden wir diese Logik nun auf den Zahlungsverkehr an, sind die Anforderungen an einen neuen Standard und somit die Zwischenschritte sowie das Endprodukt enorm. In einem globalen Geschäftsumfeld mit unterschiedlichsten Sendern und Empfängern von Daten müssen die unzähligen Anforderungen bedient und etliche Ansprüche befriedigt werden.

Damit ein Produkt erfolgreich in einem derart vielfältigen und komplexen Umfeld bestehen kann, muss der Weg zu eben diesem Endprodukt genau umschrieben und somit nicht nur das Endprodukt, sondern auch die Zwischenschritte müssen standardisiert werden. Es ist unerlässlich, dass in einem kleinen Land wie der Schweiz beim Zahlungsverkehr alle dieselben Formate verwenden. Und das nicht nur digital (pain, camt), sondern auch analog (QR-Rechnung). Mit dem Projekt der Harmonisierung des Zahlungsverkehrs in der Schweiz und dem damit neu aufgesetzten ISO-20022-Standard macht der schweizerische Finanzplatz einen grossen Schritt in ebendiese Richtung. Alte Zöpfe werden abgeschnitten, und die Formate bedienen die neuen und zum Teil erhöhten Ansprüche, die die Digitalisierung und die Globalisierung in diesem Bereich stellen. Und das Wichtigste: Alle Institute verwenden diesen neuen Standard. Nur durch die Vereinheitlichung kann sich der Kunde darauf verlassen, dass er das Endprodukt vom jeweiligen «Produzenten» in der gewünschten Qualität und Quantität erhält.

Es ist absolut verständlich, dass der Kunde diesen Anspruch hegt. Denn wer erhält schon gerne jeden Tag neue Zahlungsformate? Oder, um es verbildlicht auszudrücken: Hätten Sie Lust, jeden Morgen eine anders schmeckende Tasse Ovomaltine zu trinken?