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Boris Brunner__Leiter Business Development & Operations, SIX Interbank Clearing AG

Wer hätte das gedacht!

Letzten Herbst hätte ich nicht darauf gewettet, dass bis Mitte 2018 80% der Firmenkunden der Schweizer Finanzinstitute auf ISO 20022 umstellen würden. Denn damals waren wir noch sehr weit entfernt von unserem angestrebten, ambitiösen Ziel. Wir gingen davon aus, dass man bei einem Kundenmigrationsprojekt in dieser Grössenordnung immer mehr Zeit braucht, als man zur Verfügung hat. Typischerweise muss man ein halbes Jahr Reserve auf das anvisierte Datum draufschlagen. Dies, weil es normalerweise in der Sache der Natur liegt, dass alle zum letztmöglichen Zeitpunkt migrieren. Heute wissen wir es besser: Am 30. Juni 2018 hatten tatsächlich über 80% der Firmenkunden ihre Umstellung auf ISO 20022 abgeschlossen. Das war eine Herkulesaufgabe für alle Beteiligten, die mit Bravour gemeistert wurde.

Wie hat die Schweiz dieses hoch gesteckte Ziel erreicht?

Eine Spitzenleistung, die man so nicht hatte erwarten dürfen. Vor allem nicht, wenn wir auf die Erfahrungen der EU bei der SEPA-Umstellung vor ein paar Jahren zurückblicken. Damals waren alle Firmenkunden in der EU gesetzlich verpflichtet, auf ISO 20022 umzustellen. Und trotz eines gesetzlich verankerten Migrationstermins wurde das Ziel verfehlt, und das Zeitfenster für die Umstellung musste verlängert werden. Hierzulande gab es keinerlei gesetzliche Regelung, mit der die Dringlichkeit der Umstellung auf ISO 20022 hätte untermauert werden können. Wir konnten uns ausschliesslich auf Nutzenargumente stützen – zuhanden von Bankberatern, Softwarepartnern und Firmenkunden. Auch wenn es gewisse Anlaufschwierigkeiten gab, gelang es uns immer besser, die Vorteile von ISO 20022 zu vermitteln. Das zeigt auch eine repräsentative Umfrage von gfs.bern: 75% der Firmenkunden, die ihre Umstellung abgeschlossen haben, erkennen die Vorteile der Standardisierung auf ISO 20022.

Wir dürfen stolz sein auf das bisher Erreichte. Softwarepartner und Finanzinstitute haben ihre Kunden aktiv informiert, beraten und begleitet. Mehr als 100 Verbände und verschiedene Bundesstellen haben mit Informationsanlässen, Fachartikeln und weiteren Kommunikationsmassnahmen dazu beigetragen, dass das anspruchsvolle Anliegen gehört und verstanden wurde. Sie haben ihre Kunden motiviert, die Umstellung aktiv mitzutragen. War das einfach zu bewerkstelligen? Bestimmt nicht, zumal das Thema ISO 20022 an sich abstrakt, trocken und nur schwer vermittelbar ist. Und gerade deshalb ist diese Spitzenleistung so erstaunlich. Dafür gebührt allen Beteiligten mein Dank, ohne sie wäre diese Mammutaufgabe nicht umsetzbar gewesen. Wir sind noch nicht ganz am Ende unserer Reise. Die letzten Umstellungslücken müssen bis Ende 2018 geschlossen werden, und hier braucht es wiederum die Mitarbeit aller. ISO 20022 ist die Grundlage für die Einführung der QR-Rechnung. Viele warten bereits jetzt schon ungeduldig darauf.