Zusammenfassung

Harmonisierung Zahlungsverkehr – Ein Impuls für die digitale Schweiz

Der Schweizer Zahlungsverkehr wird in den nächsten Jahren durchgehend vereinheitlicht. Dabei werden die bis heute sehr heterogenen Zahlungssysteme der Finanzinstitute zusammengeführt. Als Folge davon werden alle bisherigen Formate, Verfahren und Einzahlungsscheine abgelöst und auf der Basis des weltweit anerkannten Standards «ISO 20022» vereinheitlicht. Medienbrüche werden beseitigt, der Zahlungsprozess wird digitalisiert und somit für alle Marktteilnehmer deutlich effizienter und wirtschaftlicher. Die Harmonisierung ist das grösste Finanzinfrastrukturprojekt seit 30 Jahren.

Den Grundstein für den heutigen Zahlungsverkehr hat die Post 1906 mit der Einführung des Postcheckdienstes und der ersten Version des Einzahlungsscheins gelegt. Der breiten Bevölkerung war es fortan möglich, ein eigenes Postcheckkonto zu eröffnen und Geldüberweisungen auf Distanz zu tätigen. Die Banken folgten dem Beispiel, eröffneten eigene Postcheckkonten und ermöglichten so ihren Kunden, Geld via Postschalter auf Bankkonten zu überweisen. Nach dem Zweiten Weltkrieg florierte die Schweizer Wirtschaft, und der Wohlstand der Bevölkerung nahm laufend zu. Damit verbunden stieg auch der Anspruch an einen flächendeckenden Zahlungsverkehr. Es entwickelte sich in den darauffolgenden Jahrzehnten ein zwar ausgeklügeltes Belegclearing, das aber mit grossem manuellem Aufwand betrieben wurde und deshalb langsam, wenig effizient und nicht wirtschaftlich war. Um das zu ändern, nahm der Schweizer Finanzplatz 1987 das Zahlungssystem Swiss Interbank Clearing (SIC) in Betrieb.

Nach der Automatisierung die Harmonisierung

Mit der Lancierung des SIC-Systems wurden der Zahlungsverkehr und das Bankenwesen ins elektronische Zeitalter katapultiert. Das Ziel war klar: Die Zahlungsabwicklung soll konsequent und vollständig automatisiert werden. SIC erfüllt seit 30 Jahren die Erwartungen, macht Zahlungen wirtschaftlich, schnell, ausfallsicher und den Geldkreislauf in der gesamten Schweiz äusserst effizient. Es hat sich abgezeichnet, dass mit einer rein organischen Weiterentwicklung der bestehenden Abwicklungsprozesse die anstehende digitale Transformation und die zunehmenden regulatorischen Anforderungen im nationalen und internationalen Umfeld nicht mehr bewältigt werden können. Dazu sind die Zahlungssysteme mit ihren Formaten aus den 80er Jahren zu heterogen und proprietär aufgebaut. In einem ersten Schritt wurde deshalb kürzlich die technologische Rundumerneuerung des SIC-Systems abgeschlossen und damit eine wichtige Voraussetzung geschaffen, um die vom Schweizer Finanzplatz beschlossene Harmonisierung des Schweizer Zahlungsverkehrs umzusetzen, das heisst, die verschiedenen Zahlverfahren und Standards durchgehend anzugleichen.

Zwei Haupttreiber: Digitalisierung und Regulierung

Der heutige Schweizer Zahlungsverkehr ist in seiner Art einzigartig. Obwohl die Schweiz ein sehr kleines Land ist, betreiben die Banken und die PostFinance sowohl für die Überweisung als auch für die Lastschrift historisch bedingt noch immer unterschiedliche Systeme. Heute gibt es mehr als 10 Standards und Formate sowie rund 10 Verfahren (z.B. EZAG von PostFinance und DTA der übrigen Finanzinstitute) und 7 verschiedene Einzahlungsscheine. Der Anteil an elektronischen Überweisungen ist in den letzten Jahren auf 74% gestiegen, aber nicht alle werden durchgehend automatisiert verarbeitet. Dafür gibt es in der gesamten Übertragungskette zu viele Medienbrüche, welche die Zahlungsverarbeitung verlangsamen, fehleranfällig machen und ineffizient gestalten: Die Buchhaltungssoftware der Rechnungssteller erstellt Papierrechnungen, welche vom Kunden wieder manuell im E-Banking erfasst werden müssen. Damit werden digitale Informationen zu Papier gebracht, um vom Kunden anschliessend wieder digitalisiert zu werden – in Anbetracht der fortschreitenden Transformation der Geschäftsprozesse ist das nicht mehr zeitgemäss. Zudem behindern die Medienbrüche die Einhaltung neuer regulatorischer Anforderungen. 2016 trat die revidierte Geldwäschereiverordnung der FINMA (GwV-FINMA) in Kraft. Die Revision der Geldwäschereiverordnung wurde durch die angepassten internationalen Standards zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung ausgelöst. Banken und PostFinance können Zahlungen nur noch nach einer eingehenden und sorgfältigen Prüfung ausführen. Dass diese Prüfungen bei etwas mehr als einer Milliarde Überweisungen pro Jahr mit Medienbrüchen erschwert werden, liegt auf der Hand.

Grenzüberschreitende Wirtschaft

Die Schweiz ist wirtschaftlich weltweit stark verflochten, so dass die Positionierung hiesiger Unternehmen innerhalb der globalen Wertschöpfungskette entscheidend ist. Auch die Digitalisierung der Zahlungsprozesse kann vor der Landesgrenze nicht einfach halt machen, sondern soll durchgehend an globale Verfahren und Standards anknüpfen. Vor dem Hintergrund, dass über die Hälfte der grenzüberschreitenden Überweisungen in Euro ausgeführt werden, ist die Entwicklung im Euro-Zahlungsraum (SEPA) für die Schweiz besonders wichtig. Mitte 2014 haben alle EU-Mitgliedstaaten und die am Euro-Zahlungsraum teilnehmenden Länder ihre proprietären Systeme vollständig auf den international anerkannten ISO-20022-Standard umgestellt, dasselbe gilt für Länder wie Japan und Australien. Diese Veränderung war für die Schweiz aus drei Gründen wegweisend: Ein international anerkannter Standard reduziert die Komplexität im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr, unterstützt eine effiziente Umsetzung von regulatorischen Anforderungen und Empfehlungen und ist eine ideale Grundlage, um die heterogenen Schweizer Zahlungssysteme auf einer bereits erprobten und etablierten Lösung zusammenzuführen.

Ein Schritt in die digitale Zukunft

Eine durchgehend medienbruchfreie Digitalisierung der Zahlungsprozesse gelingt nur, wenn die seit über hundert Jahre gewachsene Vielfalt der Prozesse, Instrumente und Belege durchgehend abgelöst und vereinfacht werden. Dazu werden alle proprietären Bank- und Postkontonummern durch die international genormte IBAN ersetzt und die beiden Lastschriftverfahren Debit Direct von der PostFinance und LSV+/BDD von den Banken konsolidiert. Nach erfolgter Harmonisierung des elektronischen Zahlungsverkehrs wird auch der E-Rechnungsprozess erheblich vereinfacht und schlussendlich die Einzahlungsscheine durch den QR-Code ersetzt. Der neue QR-Code beinhaltet alle Zahlungsinformationen und kann wie gewohnt gelesen oder mit jedem Smartphone gescannt werden. Der Trend zu E- und Mobile Banking hat sich bei vielen Bevölkerungs- und Unternehmensgruppen durchgesetzt und wird sich auch im Zahlungsverkehr weiter fortsetzen.